Das Beurteilen von Berberpferden

Auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner und den entscheidenden Charakteristika

Der Berber ... EIN Pferd ... EINE Rasse EIN Standard für ALLE Fälle?

Gestatten Sie sich die Perspektive – bedingt durch die Vielfalt der Typen – nicht auf “den Berber”, sondern DIE Berberpferde.

Wahrnehmung

Die grundsätzliche Betrachtung eines Pferdes kann nur dann zielführend sein, wenn wir uns als Betrachter im Klaren darüber werden, was speziell gewünscht ist und was an Ansprüchen gestellt wird: welche Punkte also unbedingt benötigt werden und worauf man möglicherweise verzichten kann. Im Laufe der Zeit und in den unterschiedlichen Kulturkreisen unterliegen diese Ansprüche massivem Wandel bzw. fast schon gegensätzlicher Ästhetik.

Wir bevorzugen im Bereich der modern organisierten Zuchtbücher ein optisch harmonisches Pferd, dass dem (wenn vorhanden, ursprünglichen) jeweiligen Rassetyp einigermaßen entspricht und die aktuell gestellten Bedingungen im Großen und Ganzen erfüllt. Die isolierte Musterung einzelner Körperteile und die ausschließliche, etwaige Fehlersuche sind dafür ungeeignet. Ein Pferd soll leicht erkennbar seiner Rasse entsprechend und deren genügend typische Merkmale aufweisen. Im Falle des Berbers stehen wir vor der Herausforderung, dass es dabei in einem großen Spektrum von sowohl dem extremen Lauftier (Südpferde-Bluttyp), als auch in dem Ansatztyp (Nordpferde-Typ) im Maghreb noch immer mit ausreichend Rassemerkmalen auftritt.

Trotzdem ist Jeder, der sich mit dem Berber beschäftigt angehalten, seine Wahrnehmung möglichst offen und breit für traditionelle, als auch moderne Beurteilung zu erhalten. Zucht und Erhalt einer Landrasse dieser Ausmaße werden sonst zwangsläufig von Verlust optischer und genetischer Vielfalt begleitet. Ausschließlich europäische Selektionskriterien anzusetzen, bedeutet, ein „europäisches Berberpferd“ zu züchten, was einen Widerspruch in sich darstellt und daher vermieden werden sollte.

Die Wahrnehmung zu schulen und die nötige Balance zwischen Harmonie eines „schönen Pferdes“, pragmatische Typprägung des Maghreb als auch solide Leistungs-Ansprüche zu finden, ist die Motivation aller dieser Ausführungen.

Abdelkader und Seydel wiesen auf eine traditionelle Methode hin, nach der Beduinen ihr Kriterium und die geforderte Modellausprägung für die Pferdeauswahl umsetzen. Die Ermittlung erfolgte mit einem nicht nachgebenden Seidenfaden, der der jeweiligen Körperlinie der Abbildung auf dem LOGO folgt:

  1. Ermittlungsmethode: A = Genick bis Mitte des Widerristes B = Mitte des Widerristes bis Schweifansatz

Schlussfolgerungen:  A < B: Pferd entspricht nicht den Forderungen A = B: Pferd entspricht den Forderungen A > B: Pferd entspricht den Forderungen sehr gut

  1. Ermittlungsmethode: C = Oberlippe, zwischen den Ohren bis Mitte des Widerristes D = Mitte des Widerristes bis Ende der Schweifrübe

Schlussfolgerungen:   C < D: Pferd entspricht nicht den Forderungen C = D: Pferd entspricht den Forderungen, ist jedoch nur                                      durchschnittlich schnell C > D: Pferd entspricht den Forderungen sehr gut und ist sehr                            schnell

Diese einfache, gut vergleichbare Methode erscheint möglicherweise zu pragmatisch und wird ganz sicher den immensen Abhandlungen bezüglich der Pferdebeurteilung nicht gerecht, sicherlich stand und steht neben weitere, etlichen subjektiven Kriterien immer auch der persönliche Geschmack im Vordergrund.

Dieses gewählte Beispiel zeigt jedoch das Kernelement in Bezug auf die ursprüngliche Wahrnehmung, Auswahl und Selektion der Berberrassen und ihrer Derivate auf:

Bewertung anhand von Zweckdienlichkeit und Funktionalität.