Form folgt der Funktion – in allen Varianten

Der Berber steht meist im quadratischen Format und zeichnet sich durch ein – abgrenzend zum arabischen Pferd des Mashrek – für den Laien leicht und offensichtlich zu erkennendes oft gerades bis konvexes Kopfprofil aus.
Üblicherweise zeigt er je nach Kondition und Körperfett-Anteil viel Ganasche, einen ausgefüllten Kehlgang und dadurch wenig verjüngtes Genick, reichlich Unterhals und einen (je nach Fett-Anteil) eher geraden Oberhals der in den recht langen, gut bemuskelten Widerrist übergeht. Manchmal führt ein tiefer Halsansatz zu Kompensation mittels viel Aufrichtung und damit einhergehend einem Axthieb, wenn ein prominenter Widerrist anschließt. Die ovale Rippenwölbung lässt den Berber oft mit schmaler Brust, enganliegenden Ellenbogen und etwas aufgezogener Bauchlinie erscheinen. Insbesondere Jungpferde neigen zu einer festen Lendenpartie und untergestellter Vor- und Hinterhand. Die Sattellage ist auch bei Stuten straff und die Lende kann aufgewölbt sein mit prominentem ISG, übergehend in eine leicht gerundeten, abfallenden (manchmal zu kurzen) Kruppenlinie, mit langem Oberschenkel und einem tief – auffallend weit unter dem Niveau dem Hüfthöcker – angesetzten Schweif gleicht der Berber viele Defizite durch eine biomechanisch bedeutsame Hinterhand aus.

Typ = Genetik = Zuchtziel?

Die Typenvielfalt kann auch nicht durch die Herkunft der Pferde von den jeweiligen Stämmen (und deren möglicherweise lokal begrenzte Auswahl bzw. isolierte Blutführung) der Berber des Maghreb erklärt werden (obwohl man korrekterweise von den Pferden der Imazighen bzw. Tamazgha sprechen sollte, anstatt die arabischen Begriffe zu verwenden), da sie sich in verschiedenen Regionen teils ähnlich im Phenotyp zeigen bzw. unter anderen Bedingungen mit jeder Generation auch völlig verändern.

Und dennoch entbehrt die Berberrasse nicht der Definition gemeinsamer physischer Merkmale, die bei den verschiedenen Typen vorhanden sind. Diese Qualitäten sind – neben seinem überaus komplexem Charakter – seit Jahrhunderten bekannt und geschätzt, wobei man eher von Jahrtausenden sprechen sollte…. die Ausarbeitung dieser Merkmale dient der gemeinsamen Verständigung.

In diesem Zusammenhang ist es von Relevanz und bereits überfällig, einige Begrifflichkeiten in Bezug auf diese Pferde genauer zu differenzieren, damit Richter, Züchter und Zuchtverbände handlungsfähig bleiben.

Um die über die Zuchtziele und die Auslegung des wenig differenzierten Standards vernünftig zu diskutieren, ist es nötig, die wenigen alten Zeugnisse der verschiedenen Pferde genau zu analysieren.

Da hauptsächlich unbewegte Bilder zur Verfügung stehen, müssen Züchter und Richter von morphologischen Eigenschaften Rückschlüsse ziehen im Bezug auf die gesamte Beschaffenheit der abgebildetes sogenannten Berberpferde.

Auch muss immer kritisch hinterfragt werden, inwieweit die abgebildeten Pferde bereits unter der Auswahl einer möglichen Kolonisation standen bzw. die wievielte Generation möglicherweise erfolgter Umzüchtung für diese Zwecke schon erfolgt sein könnte. Neben der Verwendung wird die Haltung und Aufzucht das Pferd in der jeweiligen Generation maßgeblich beeinflussen.

Daher ist EIN Standard mit der Gefahr verbunden, dass Pferde aus extremen Bedingungen oder mit extrem ausgeprägter Veranlagung benachteiligt werden. Parallel zeigt sich im direkten Vergleich von Aufstellbildern, dass bestimmte morphologische Eigenschaften Gefahr laufen, aus der Rasse verdrängt zu werden. Insbesondere die Länge der Röhrbeine, Kaliber, Beckenformation und Beschaffenheit des Widerrist werden einen Berber die einzigartigen Qualitäten entweder abbilden lassen, oder machen ihn zu einem reinen „Produkt auf einem Papier“. Es liegt an jedem Züchter selbst, seine Ergebnisse unter den entsprechenden Gesichtspunkten zu beurteilen. Die Verantwortung für die Rasse darf und kann nicht ausschließlich auf Tagesform-abhängige Richterurteile gesetzt werden. Hingegen sollten bestimmte Entartungen innerhalb der äußeren Merkmale zum Schutz der Rasse auch klarer als Ausschlusskriterium gesetzt werden, um Verdrängungszucht zu unterbinden.

Eine der meist zitierten Quellen …

Kritische Diskussionsgrundlage der vielzitierten Publikation von Aureggio auf dessen Referenz sich nahezu alle aktuellen Standards beziehen (Übersetzungen anbei:)
Araber (Arabisches Pferd)
Insgesamt große Eleganz, quadratischer Kopf, breite und gerade Stirn, lebhafte Augen, kleine Ohren, leichter, gut angesetzter Hals, wenig seidiges, feines Haar, gut ausgeprägter Widerrist, manchmal etwas fett, breiter, leicht gebogener Rücken, kräftige, horizontale Kruppe, schräge Hüfte, hoch angesetzter, gut getragener Schwanz, breite Gelenke, feine und trockene Gliedmaßen.
Berber (Berberpferd)
Kopf mit etwas zu viel Ganache, Augenbraue bedeckt, breiter Schädel, Stirn und Nasenrücken gewölbt, Ohren länger als beim Syrischen Araber, Halsumfang stärker, Oberlinie scharf, Kruppe schräg oder rund, Hüften vorstehend oder nach hinten geneigt, Becken tief, Schweif tief angesetzt. Herabfallend zwischen den Hinterbeinen, ausgeprägte Gliedmaßen, Sehnen weniger sauber abgesetzt als beim Araber, Haarwuchs üppiger und weniger fein.
1. – EIGENSCHAFTEN DES REINEN BERBERS DER PROVINZ ORAN
A. Pferd aus den Bergen (Anmerk.: welche Berge in ORAN?). – Das Pferd aus den Bergen ist mittelgroß, 1,42 m bis 1,50 m, aber es gibt auch größere, 1,54 m bis 1,60 m und mehr. Pferde, die größer als 1,54 m sind, sind selten gut, weil sie in Bezug auf ihre Größe keine entsprechende Entwicklung in Breite und Stärke aufweisen. Es ist jedoch richtig zu sagen, dass man unter diesen großen Pferden manchmal bemerkenswerte und glückliche Ausnahmen findet.
Merkmale: Kopf quadratisch, klein, gerades Profil, manchmal leicht gebogen (plattes Kopfprofil), breite Stirn, weit auseinanderstehende Augen, intelligent, wenn auch etwas tief liegend, Ohren formschön, manchmal etwas hängend; Hals kräftig, vor allem am Ansatz; Widerrist kräftig, nicht sehr hoch; Rücken breit, gerade; Lende kurz, breit, gut an die Kruppe angeschlossen, die kräftig, aber rund ist; ausgeprägte Spaltkruppe, Tief angesetzter, versenkter Schweif; neu gebildete Hüften; ausgeprägte, tief angesetzte, gut gewölbte Brust; starke Gliedmaßen, breite Gelenke, gut bemuskelte Hinter- und Vorderbeine; kräftige, manchmal geschlossene Sprunggelenke. Zusammenfassend gesagt, ein kräftiger, nah am Boden stehender Pferdetyp.
B. Südliches Berberpferd, das Pferd der Sahara. – Das Pferd der großen Ebenen des Südens hat viele Eigenschaften des syrischen Pferdes. Es hat einen kleinen, quadratischen Kopf mit einem geraden oder leicht konvexen Profil ab der Stirn; große, lebhafte Augen, kleine, gut platzierte, kühn getragene Ohren, einen sehr leichten Hals, der länger und besser veredelt ist als der des Berberpferdes, einen trockenen, sehr ausgeprägt, Rücken und Lende kurz, aber weniger breit, Kruppe weniger schlaff, eher horizontal und besser getragen, Brust hoch und tief mit langen, aber etwas flachen Rippen, Gliedmaßen leicht, aber gut bemuskelt, trocken und nervös. Warmblut, viel Eifer, große Energie. Ausgestattet mit großer Geschwindigkeit, ist es der Luftschlucker.
Das gesamte Pferd aus der Sahara ähnelt dem englischen Rennpferd sehr, so sehr, dass die Rennkommissionen auf den Rennbahnen oft behaupten, diese südlichen Typen auszuschließen, unter dem Vorwand, dass sie unbekannter Herkunft sind und das Mittelmeer von Malta, Frankreich oder England aus überquert haben.
Wir waren manchmal Zeugen dieser immer bedauerlichen Tatsachen, die die Berberrasse und die reinrassigen Pferde in Verruf bringen, die man nur zögernd als Zuchttiere kauft, denn so kenntnisreich man auch sein mag, man kann nicht behaupten, dass ein Pferd mit großen und schönen Linien, mit gerader und langer Halsung, mit hoher und tiefer Brust nicht ein paar Tropfen Blut in den Adern hat.
Bei den Rennen von 1884 in der Provinz Oran wurde ein dreißig Monate altes Fohlen namens Comte-Pierre, das Herrn C… aus Mostaganem gehörte, je nach den Mitgliedern der Kommissionen abwechselnd zum Rennen zugelassen oder nicht zugelassen, wobei die einen das Pferd als Berberrasse anerkannten, während andere es als reinrassiges englisches Pferd betrachteten.
Die Einheimischen, die im Tell leben, sind große Liebhaber dieser schönen Pferde aus dem Süden, aus denen sie vorzugsweise ihre Hengste auswählen. Aus ihren Kreuzungen entstehen große, gut gebaute Pferde mit Eleganz. Wir haben in Zemmorah eine bemerkenswerte Auswahl dieser geschmeidigen und eleganten Pferde gesehen, schöne Traber und schnelle Rennpferde, die aus den Zuchten eines Agha der Flittas (Stämme der Beni-Louma, der Ouled-Barka) usw. stammten.
Die reine südliche Rasse findet sich in den Stämmen der Harrares, der Traffis, der Hamyans, Ouled-Sidi-Cheick usw.